Der Beruf des Profifußballers zählt für Viele zu den begehrtesten Jobs, den das Leben zu bieten hat. Schon als kleiner Junge wird mit Papa auf dem Rasen gekickt und das Trikot des eigenen Vereins nur gegen das des Lieblingsvereins getauscht. Doch der Weg zum Profifußballer gelingt nur wenigen Sportlern. Nur ein kleiner Teil der Talente schafft wirklich den Sprung von den Amateuren in die Profiliga. Wir haben uns mit dem gebürtigen Stuttgarter Enis Hajri getroffen. Als ehemaliger Profifußballer des 1. FC Kaiserslautern, und des MSV Duisburg, ist er heute als Spielerscout für die erste Mannschaft der Eintracht Frankfurt unterwegs. Wir haben mit ihm über seinen Alltag, die Voraussetzungen eines Profisportlers und den Wandel im Fußball geplaudert.

Enis, wie lange hast Du als Profifußballer gespielt?

Insgesamt waren es so 17 Jahre.

Wie kam für Dich der Sprung aus der Amateur- in die Profiliga?

Zu Beginn meiner „Karriere“ habe ich in Deutschland, in der 3. Liga – also Regionaliga, gespielt. Mir war immer wichtig meine Ausbildung fertig zu machen. Damals habe ich zeitweise den Fußball hintenangestellt. Nach Abschluss meiner Ausbildung und einer guten Saison in Deutschland, wurde mir von Krassimir Balakov* und Fredi Bobic * die Chance gegeben, in der 1. Liga in Bulgarien zu spielen. Dies bedeutete für mich weit weg von zuhause zu sein. Ohne Freunde und Familie – mein Leben neu zu gestalten. Mit 24 Jahren außerhalb des gewohnten Umfeldes zu sein und den Fokus nur auf den Fußball zu legen. Ich würde sagen, das war mein erster Schritt, und die feste Entscheidung zugleich, Profifußballer zu sein.

(* Fredi Bobic: Manager bei Eintracht Frankfurt und ehemaliger deutscher Nationalspieler * Krassimir Balakov: ehemaliger Fußballspieler und Trainer)

Warum hast Du Dich mit 36 Jahren dazu entschieden die Profikarriere an den Nagel zu hängen und Scout zu werden?

Die aktive Karrierezeit des Sportlers ist begrenzt. Daher habe ich mich dazu entschieden mir ein zukunftsträchtiges Standbein aufzubauen. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die Möglichkeit ergeben als Spielerscout für die Eintracht anzufangen. Dieser Job ermöglicht es mir, dem Fußball treu zu bleiben, mein Netzwerk auszubauen und gleichzeitig mein Sportmanagementstudium fertig zu machen.

Wie sieht dein Alltag aus? Wo findest Du Talente/Spieler?

Am Anfang der Woche bekomme ich, von meinem Chefscout Ben Manga, einen Plan mit den relevanten Spielen und Spielern. Ich reise nahezu täglich durch einen Teil Europas, wie z.B. nach Belgien, Holland oder Frankreich, und sehe mir die Spiele live an. Die gesamte Travellogistik übernimmt der Verein. Hier arbeiten alle Vereine in der Regel Hand in Hand – jeder Scout ist „gern gesehen“. Auch wenn das bedeuten kann, dass ein Spieler abgeworben wird. Ich muss jeden Spieler live sehen. Seine Körpersprache und Mentalität, unabhängig der Kameraführung, beobachten können. Mein Feedback zu den Spielern gebe ich an die Scoutingabteilung weiter und diese pflegen die Informationen in der Datenbank ein.

Wie würdest einen Profifußballer, in Abgrenzung zum Amateur, definieren?

Wenn Du dein Leben vom Fußballspielen finanzieren kannst und dein Alltag und deine Freizeit vom Fußball bestimmt wird. Familie und Freunde hintenanstehen – Du Dein Privatleben auf wenige freie Momente reduzierst und bereits in der Öffentlichkeit stehst.

Worauf achtest Du bei einem Spieler als erstes?

Tempo, Geschwindigkeit und Mentalität. Der Spieler muss ins Team und in den Verein passen. Stimmung und Kultur sind uns, beim Eintracht Frankfurt, sehr wichtig. Die Körpersprache verrät viel. Der Spieler muss nicht technisch perfekt sein. Hier spielt auch die Position eine wichtige Rolle, ob der Spieler heraussticht. Ich bevorzuge Spieler, die auch mal „dreckig“ sind. Immer fair spielen, aber auch mal dazwischenhauen. Der sein Team anfeuert, beim Rückstand animiert, der keinen Ball aufgibt und sich nicht ergibt. Das ist, meiner Meinung nach, dem Fußball ein bisschen abgegangen. Im gesamten Team sind immer gute Spieler. In der 1. Liga sind alle Spieler gut. Da geht es um Nuancen, ob Dir ein Spieler gefällt. Du brauchst aber immer Einen, der mental stark ist und das Team auch mitnimmt.

Was muss ein Spieler, der in die Profiliga aufsteigen möchte, neben spielerischem Talent mitbringen?

Disziplin – ist das Allerwichtigste! Gefolgt von Mentalität und starkem Charakter. Wenn man, so wie die heutigen jungen Spieler, schon sehr früh viel Geld verdient, birgt das Risiken. Früher bekam man als Talent einen Profivertrag mit kleinem Entgelt und die Chance sich zu beweisen. Heute werden die Spieler jung gescoutet und schnell ins Rampenlicht befördert – von der Schulbank in die Öffentlichkeit. Sie erhalten mehr Ruhm, Erfolg und Geld, als ihnen das je irgendeine Ausbildung bringen würde. Das kann einem schnell zu Kopf steigen und in Versuchung bringen, zu sehr abzuheben. Es braucht viel Disziplin, seinen Fokus nicht zu verlieren und nicht auszuflippen. Früher war man als 22 jähriger angehender Profi reifer und gesattelter. Heute sind die Talente unter Umständen erst 16 Jahre und rutschen in ein Leben voller Überfluss. Sie reisen durch Deutschland und die Welt, haben so gut wie keine Freizeit, keine „normale Jugend“ und keine Familie oder Freunde, die sie erden.

Wie geht es für Spieler, die von Dir als „Treffer“ bezeichnet werden, weiter?

Ist ein Spieler interessant, und wir suchen konkret auf dieser Position, dann gebe ich das weiter an unseren Chefscout. Dieser schaut sich den Spieler erneut an und informiert unser Management. Sollte der Spieler für den Verein relevant sein, wendet sich das Management direkt an den Berater oder den Erziehungsberechtigten.

Worauf sollten junge Talente deiner Meinung nach bei Vertragsabschlüssen achten?

Die Frage ist: Wie alt ist der Spieler zu diesem Zeitpunkt? Die jungen Spieler sollten zusehen, dass sie, trotz der Fußballkarriere, eine Ausbildung bzw. einen Schulabschluss machen. Viele Vereine bieten in dieser Hinsicht Unterstützung, wie Sportinternate, an. Und wenn Sie sich für einen Verein entschieden haben, dann sollten sie diesem Weg treu bleiben. Auch wenn es mal nicht gut läuft. In dem Alter sollte ein Spieler auf langfristige Perspektiven achten, nicht auf das Geld. Was zählt ist Spielerfahrung sammeln und ein gutes Umfeld finden. Das baut einen Spieler langsam auf und bereitet ihn auf seine Karriere vor. Wenn man nur nach vermeintlich lukrativen Verdiensten Ausschau hält, ist die Versuchung die Ausbildung abzuhaken groß. Den Weitblick für ein Leben danach, den haben Sie noch nicht.

Was verdient man als Profifußballer?

Was ein Profifußballer verdient kann man nicht pauschal sagen. In den letzten Jahren hat sich das sehr verändert. Richtig gute Spieler, in der zweiten Mannschaft mit Lokalvertrag, starten vielleicht monatlich mit einem geringen vierstelligen Gehalt. Aber wie gesagt, pauschal ist das nicht zu beantworten. Auf europäischer Ebene ist das Gehalt reine Verhandlungssache. Da gibt es durchaus Fälle, bei denen bereits schon über zehn oder 20 Tsd Euro bezahlt werden. Was ein Verein bezahlt ist individuell. In Deutschland versucht man den Weg der Talente zu staffeln. Man beginnt bei den Amateuren und wechselt dann zu Profis. Entsprechend wird vergütet. Es gibt aber auch Spieler, die direkt zu den Profispielern wechseln. Das macht sich dann auch im Gehalt bemerkbar. Langfristig werden wohl immer mehr Profivereine ihre Amateurmannschaften abschaffen. Das bedeutet, junge Spieler gelangen unter Umständen aus der A-Jugend direkt zu den Profispielern.

Wo siehst Du den Unterschied zum Frauenfußball?

Dem Frauenfußball fehlt es an Popularität. Hier dauert es viel länger, bis man vom Spielen leben kann. Profifußballerinnen verdienen insgesamt viel weniger als die Männer.

Was hat sich, seit Deiner Zeit als Profispieler, Deiner Meinung nach verändert?

Der Wettkampf um gute Spieler ist härter geworden. Mit 16 Jahren, spätestens, haben die Meisten schon ihren ersten Vertrag in der Tasche und sind weg vom Markt. Alle guten 14-16 jährigen Spieler werden über einen Berater oder Elternteil beraten. Zuletzt war ich beim Spiel der U16 Holland gegen Ungarn. Im Kampf um die Talente überbieten sich die Vereine. Wenn Du einen Spieler wirklich willst, dann musst du diesen Trend – jungen Spielern hohe Summen anbieten – leider mitmachen. Was nicht zwingend im Sinne der Spieler passiert. Diese lassen sich vom für sie persönlich besseren Weg, weniger Verdienst aber möglicher Ausbildung etc. abbringen, und folgen dem Weg des Geldes. Ein Spieler sollte „langsam“ aufgebaut werden. Zum Mann und einer eigenen Persönlichkeit heranreifen und nicht verheizt werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Einfluss der Social Media Welt auf die Spieler und deren Karriere. Die Profile, egal ob Instagram oder Facebook, sind die Visitenkarte eines Spielers. Diese kann unter Umständen den Marktwert eines Spielers enorm steigern. Die Anzahl der Follower und ein ansprechendes Profil bringen dem Verein einen höheren Umsatz an Fanartikeln. Das gab es früher so nicht.

Kannst Du den gesellschaftlichen Trend, die heutige Jugend als „faul“ zu bezeichnen, nachvollziehen? Hat die Jugend mehr Anspruch, als sie bereit ist Leistung zu bringen?

Ich glaube für die jungen Spieler ist heute Einiges einfacher. Der Fußball dreht sich heute merklich schneller. Bist du gut, kommst du schnell nach oben und verdienst schnell viel Geld. Das verändert den Blick der Spieler. Zu meiner Zeit musste man, um Profifußballer zu werden, über einen längeren Zeitpunkt hart an sich arbeiten. Der Weg verlief über die U19 zu den Amateuren und erst dann konnte man zu den Profis gelangen. Die jungen Talente müssen weniger lang kämpfen, um hoch zu kommen. Eine gute Saison und Du kannst theoretisch Nationalspieler werden. Auch intern im Verein, bist du als junger Spieler kaum einer Hierarchie ausgesetzt. Nur mal als Beispiel: die jüngsten Spieler bauen das Trainingsfeld auf und räumen das Equipment auch wieder weg. Früher! Wenn du heute als älterer Spieler die Jüngeren aufforderst dies zu tun, wirst du schräg angesehen. Denn die jungen Spieler sind gefragter, sind heute die „Stars“. Wenn die Performance der jungen Spieler im Spiel stimmt, kann er auch weniger Leistung beim Training zeigen. Das entscheidet jeder Trainer individuell. Hinzu kommt, dass den jungen Spielern so gut wie alles, was nicht mit Fußball zu tun hat, abgenommen wird. Für jedes kleine Anliegen gibt es jemanden, der sich für dich darum kümmert. Wenn Du willst wird dir sogar dein Healthy Food täglich nach Hause geliefert. Du reist von A nach B und wirst komplett betreut. Da sind wir dann auch wieder an dem Punkt, an dem der junge Spieler sich denkt, ich bin angekommen und wozu nochmal zur Schule gehen.

Welchen persönlichen Rat würdest Du gerne jungen Spielern geben, die sich zwischen Ausbildung und Sportlerkarriere entscheiden müssen?

Als erstes und das ist enorm wichtig – den Schulabschluss und oder Ausbildung zu Ende machen! Auch wenn man für diese Zeit den Fußball etwas hintenanstellen muss. So lange wie möglich im gewohnten Umfeld bleiben. Geerdet mit Blick in die Zukunft leben. Nicht abheben und nicht das Geld auf den Kopf hauen, sondern vorsorgen. Geld zurücklegen, investieren und die Zeit nach der aktiven Karriere im Auge behalten. Selbst wenn eine Ausbildung vorhanden ist, wird es schwer nach so viel Erfolg und Geld wieder einem „normalen“ Job nachzukommen. Ich kenne so gut wie niemanden, der nach seiner Fußballkarriere wieder in seinen alten Beruf zurückgekehrt ist oder seine Ausbildung beendet hat.

Und zweitens: Wenn Du Dich entschieden hast, als Fußballer Karriere zu machen, dann Vollgas. Halb wird nix.

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